Ahmad Huber
Ein Nachruf
25. März 1927 in Freiburg
15. Mai 2008 in Rüfenacht bei Bern
Ahmad Huber wurde am 25. März 1927 als zweites von drei Kindern als Albert Friedrich Armin von christlich-protestantischen Eltern in Freiburg (Schweiz) geboren. Sein Vater war Kaufmann, seine Mutter war die Schwester des bekannten Berner Kunstmalers Fritz Traffelet der in den 40er Jahren als Leibmaler von General Henri Guisan bekannte Gemälde malte, welche immer wieder begeistern. Seine Mutter bediente als „Saaldame“ 1903 in der „Spysi“, der Armenküche von Bern, als junge Bürgerstochter im freiwilligen uneigennützigen Sozialdienst noch den damals jungen sozialistischen Revolutionär und späteren Duce Italiens, Benito Mussolini.
Ahmad besuchte in Freiburg die protestantische Primarschule und das von katholischen Mönchen geführte Kollegium. Im Jahre 1943 siedelte die Familie nach Bern über, wo Ahmad 1947 im Freien Gymnasium die Matura (Typ A, Latein-Griechisch) mit Erfolg bestand. Ab 1948 studierte Ahmad Rechtswissenschaften an der Universität Bern. Nach bestandenem 2. Prope absolvierte er ein Fürsprecher-Praktikum. Das Studium brach er aber 1956 ab, als er einer Berufung als Bundeshaus-Redaktor für die gesamte SP-Presse der Schweiz folgte. Von 1956-89 hatte Ahmad folgende Arbeitgeber: SP-Presse, Neue Presse, Basler Zeitung, Weltwoche, Zürcher Woche, Sonntags-Journal, Associated Press, Deutscher Depeschen-Dienst. Der bekannte Journalist Frank A. Meyer, den Ahmad in dessen Lehrlingszeit im journalistischen Handwerk stark gefördert hatte, holte Ahmad 1979 zu Ringier (Sonntags-Blick, Schweizer Illustrierte).
1949 wurde Ahmad Offizier der Schweizer Armee. Unvergesslich ist die Geschichte, als Lt. Huber seine Geschütze falsch richten ließ und über die Schweizer Grenze schoss und so hochalpines italienisches Staatsgebiet umpflügte. Während seiner Dienstzeit im Tessin besuchte er mit seinem Artilleriezug einmal den betagten Literaten Hermann Hesse, der alle zum Wein im Garten und interessanten Diskussion einlud. Ahmad diente zuerst bei der mobilen Artillerie (10,5 cm Haubitzen), dann bei der Festungsartillerie und zuletzt im Munitionsdienst. Als verdächtiger “Subversiver”, mit Kontakten zur Sowjetunion, zur DDR und zu China, der es in seinem Leben zu 500 Seiten Staatsschutz- Ficheneinträgen gebracht hatte, wurde Ahmad von der Armee mehrfach zur Disposition (z.D.) gestellt. Daher blieb er zeitlebens Oberleutnant der Artillerie.

Als 1952 in Ägypten und 1954 in Algerien nationalistische Revolutionen gegen die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich ausbrachen, versteckten damals Mitglieder der SP-Schweiz in Bern illegal einige algerische Wiederstandskämpfer. Ahmad beherbergte ebenfalls einige junge Männer, mit denen er über Gott und die Welt diskutierte.Und so begann er sich für deren Lebensweise und Religion zu interessieren. Intensiv begann sich Ahmad ab 1959 mit dem Islam zu befassen: 1963 legte er in Al-Azhar (Kairo) vor Scheich Mahmud Schaltut das Glaubensbekenntnis (Schehada) ab. Scheich Schaltut nannte Albert nun Ahmad Abdallah Ramadan al-Swissri. 1963 heiratete Ahmad eine Ägypterin, welche in den erste Ehejahren für „Radio Suisse Internationale“ Sendungen in arabischer Sprache produzierte und später bei der Weltpost arbeitete. Aus dieser Ehe entsprangen zwei Söhne. Besonders an den Enkelkindern hatte Ahmad sehr viel Freude. Seine familiären Beziehungen zu Ägypten zeigte ihm ab 1963 eine gänzlich andere Optik des arabisch-israelischen Nahost-Konfliktes. Ahmad hatte in Ägypten neben vielen anderen Bekanntschaften intensive Gespräche mit dem emigrierten ehemaligen national-sozialistischen Ideologen Johannes von Leers. Dieser war inzwischen in Kairo Muslim geworden und hieß nun Omar Amin und war Berater von Oberst Gamal Abdel Nasser. Auf Empfehlung von Johannes von Leers konnte Ahmad auch mit Amin al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem sprechen. Amin al-Husseini war ein Verwandter von PLO-Chef Yassir Arafat. Diese Gespräche erweiterten den politischen und philosophischen Hintergrund von Ahmad erheblich. Er bekam durch diese Treffen eine gänzlich andere Optik betreffend den Nationalsozialismus. Er begann die politischen Zusammenhänge im Nahen Osten neu zu deuten. Er erfuhr, dass die späteren ägyptischen Staatspräsidenten Nasser und Sadat bereits 1941 mit dem Deutschen Afrika Korps von Erwin Rommel gegen die britische Besetzung Ägyptens zusammengearbeitet hatten. Diese Erkenntnisse und die ihn überzeugende Optik ließen Ahmad immer mehr zu einem überzeugten Kämpfer für die arabische Sache werden. Damit lag Ahmad im Widerspruch zur öffentlichen Meinung in der Schweiz. Die Politiker und Medien in der Schweiz stellten das Existenzrecht von Israel über alle anderen Interessen in dieser Region. Nach einigen provokanten Fernsehauftritten, in denen er - für die damalige Zeit – radikale, d.h. die Wurzel berührende Positionen der Arabischen Welt vertrat, kam Ahmad auf eine “Schwarze Liste” und wurde von den Medien ab 1989 gemieden und totgeschwiegen. Damals waren auch ernste Differenzen im Medienhaus Ringier entstanden, die 1989 zu seiner Entlassung führten, weil er öffentlich Verständnis für das religiöse Rechtsgutachten (Fatwa) von Iman Khomeini gegen Salman Rushdie geäussert hatte. Deshalb musste Ahmad mit 62 Jahren unverhofft die Frühpension antreten, nachdem er zum dritten Mal seine Arbeitsstelle verloren hatte. 1967 und 1970 hatte er seine Arbeitsstelle als Journalist und Redaktor verloren, weil er in den Medien immer wieder öffentlich gegen Amerika und Israel Stellung bezogen hatte (Den Verlust der Arbeitsstelle aufgrund von Interventionen war nach Auffassung von Ahmad die zweite Stufe dessen, was er als „jüdische Inquisition“ bezeichnete: erste Stufe => „Totschweigen“ zweite Stufe, wenn die erste nicht greift => Angriff auf den Brotkorb…). Ahmad vermutete zeitlebens, dass die Einseitigkeit vieler Medienschaffenden in der Furcht vor der Wirksamkeit dieser Inquisition liegt.
In Paris lernte Ahmad den späteren Revolutionsführer Ajatollah Khomeini kennen. Nach 1983 besuchte er regelmäßig die Islamische Republik Iran. So war Ahmad auch 1985 mit anderen konvertierten Journalisten aus Europa zu Besuch bei Ajatollah Khomeini in Teheran. Ahmad hatte bis vor wenigen Jahren viele muslimische Länder besucht. 1986 machte er mit schiitischen Iranern die muslimische Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka.
Ahmad entstammte einem bürgerlich-konservativen Elternhaus, in welchem soziale und politische Fragen intensiv diskutiert wurden. Sein Vater war Anhänger der damaligen BGB, der Bauern-, Gewerbe-, und Bürgerpartei und ein glühender Gegner der Nazis in Deutschland: Als sein Arbeitgeber, die Chocolat Villars, vor dem Krieg eine nazifreundliche Direktion erhielt, nahm er den Hut und machte sich selbständig. Natürlich gab es im Elternhaus Spannungen, als Ahmad 1952 der Sozialistischen Partei der Schweiz (SPS) beitrat. Dort lernte er legendäre Persönlichkeiten kennen, wie beispielsweise Robert Grimm, der Ahmad anfangs der 50er Jahre erklärte, dass unser schweizerisches bäuerliches Bodenrecht eine angepasste Kopie des Reichserbhofgesetzes der NSDAP sei. Er kannte die SP-Präsidenten Helmut Hubacher und Peter Bodenmann, die Künstler Peter Bichsel, Ernst Dürenmatt und viele andere. Freilich wandten sich diese Personen immer mehr von Ahmad ab und wollten ja nichts mehr mit ihm zu tun haben, je mehr Ahmad islamische Positionen vertrat und politisch immer weniger salonfähig wurde. Ahmad war von 1952 bis 1994 zweiundvierzig Jahre lang Mitglied der SP- Schweiz. Obwohl Ahmad nie öffentlich die Partei angegriffen oder bloßgestellt hatte, wurde er im Januar 1994 von der ach so „toleranten“ und „fortschrittlichen“ SP-Parteileitung wegen Kontakten mit „Rechtsradikalen”, wegen “Revisionismus” bzw. wegen “Kohmeinismus” und “Anti-Feminismus” aus der SP ausgeschlossen. Ahmad berichtete Avalon vom Verlauf dieser SP-Tribunale, pardon natürlich von diesen SP-Parteisitzungen und schilderte die Kluft zwischen den alten Parteigenossen, die ihn seit Jahrzehnten kannten und ihm wohlwollend gegenüberstanden und den jungen Parteiideologen und „Güpli-68ern“, deren idealisiertes, gutmenschliches, sozialistisches Weltbild so kleinkariert ist, dass es in einer Zigarrenschachtel aus dem kommunistischen Kuba Platz hat.
Gerne berichtete er uns von seinen Erlebnissen und den Zusammenkünften in der „Junkere 35“ in Bern in den 60er Jahren. Dies war ein Treffpunkt der sogenannten „Nonkonformisten“, ein In-Club seiner Zeit. Gäste waren dort damals neben dem Bond-Girl Ursula Andres der spätere Medienmann Mario Cortesi und der heutige Blick-Kolumnist bzw. die graue Ringier- Eminenz Frank A. Meyer. Aber auch die späteren Buchautoren Erich von Däniken und Sergius Golowin und viele andere.
Nach seiner Zwangspensionierung 1989 war Ahmad als freier Publizist und Vortragsredner im Rahmen dessen, was er die „Islamische Bewegung“ nannte, tätig. Ahmad hielt Vorträge in Europa, Amerika, Kanada, Afrika und in vielen Ländern des nahen Ostens zum Beispiel in der Türkei und im Iran. Ganz besonders verehrte Ahmad den muslimischen Gelehrten Ibn Khaldun, den Begründer der modernen Soziologie (14./15. Jahrhundert), dessen Werke er sehr schätzte.
1990 referierte Ahmad erstmals an einer Avalon- Tagung und wurde einer der treusten und verlässlichsten Freunde unserer Gruppe. Wir kamen in den Genuss vieler toller, informativer und leichtverständlicher Vorträge von Ahmad. Natürlich kam bei seiner schon fast märchenhaften orientalischen Erzählweise auch der Humor nie zu kurz. Seine Vorträge waren immer auch erheiternd und wegen seiner gesellschaftlichen oder politischen Pointen äusserst unterhaltsam. Unvergessen ist der Vortrag über das „Alte Bern“ im März 1998 oder derjenige über „Hironymus von Erlach“ an unserem zehnjährigen Avalon- Jubiläum im Schloss Thunstetten im Winter 2000. Bei Avalon lernte Ahmed nach 1993 die wichtigsten Vertreter des “Revisionismus” kennen und fand hier eine Bestätigung seiner früheren Kenntnisse aus dem Vorderen Orient. In der Folge vertrat er bis zu seinem Tod auch revisionistische Thesen in Bezug auf die Verfolgung und Ermordung von Juden im II. Weltkrieg. Durch seine Bekanntschaft mit dem Bankier François Genoud, der Teile des deutschen Reichsbankgoldes verwaltete, erhielt Ahmad Kontakt zum deutschen Kriegshelden Leon Degrelle in Spanien und zum letzten „Reichsjugendführer“ Arthur Axmann in Deutschland. Diese Kontakte waren wiederum für unsere Gruppe Avalon äusserst interessant und lehrreich. Die weitreichenden Kontakte von Ahmad in die nationale und internationale Politik und seine Bekanntschaften mit vielen Personen und patriotischen Vereinigungen in aller Welt, zum Beispiel zum „Front National“ und zu Jean Marie Le-Pen in Frankreich, halfen Avalon, auch unsere Geisteshaltung der “Neuen Rechten” in große geographische Ferne zu tragen. Dank Ahmad war es Avalon auch immer wieder möglich, hochkarätige Referenten aus seinem Bekanntenkreis zu erhalten. So kam Mitte der 90er Jahre durch Ahmad bei Avalon ein Referat mit seinem Freund Erich von Däniken zustande. Ebenso vermittelte er einigen Mitgliedern unserer Gruppe nach 1995 mehrmals den Kontakt zu Sergius Golowin. Alle jene Personen, die daran teilgenommen haben, werden diesen unglaublich belesenen und klugen Zeitzeugen nicht mehr vergessen. Wieviel wußte Sergius Golowin über das „Alte Bern“, Heraldik, Familien-Genealogien, Früh- und Vorgeschichte, Religion, Mythen, Märchen, Philosophie und Politik! Es war kaum möglich, aber er hatte noch mehr und noch viel tieferes Wissen als unser Freund Ahmad. Dank Ahmad konnte Avalon auch aus erster Hand viel über die Geschehnisse in der nationalen Schweizer Politik oder über den Nahen Osten erfahren. So wurde unser wöchentlicher Avalon Stammtisch oftmals zu einem spannenden „surrenden Nachrichtenbüro“. Dazu trug auch bei, daß er uns wöchentlich am Stammtisch einen Pressespiegel mit kopierten interessanten Artikeln aus diversen Zeitungen und Magazinen mitbrachte.
Ahmad wusste auch viel über das Filmgeschehen. Als grosser Fan romantischer Heimatfilme hätte er doch so gerne in den 90er Jahren die damals im Tessin lebende deutsche Filmschauspielerin Marianne Hold besucht, die er sehr verehrte. Dieses Vergnügen blieb ihm zeitlebens leider versagt. Neben Science-Fiction Filmen (ET hatte ihn tief beeindruckt) war Ahmad vor allem begeistert von Frankenstein- und Draculafilmen. Er hatte auch entsprechende Comix- Hefte die er uns einmal an den Avalon- Stammtisch mitbrachte. Er wollte zuhause etwas entrümpeln und darum verschenkte er uns diese Bände. Dumm war nur, dass unter den etwa dreißig Heften auch cirka fünf mit erotischem Inhalt waren, was natürlich unseren Stammtisch enorm belebte. Ich will jetzt aber nicht verraten, wer sich diese Hefte unter den Nagel gerissen hat. Ahmad war eben auch für uns immer wieder eine Überraschung.
Nach den fürchterlichen Anschlägen am 11. September 2001 kam die Al-Taqwa Management unters Kreuzfeuer der US-Behörden, was dazu führte, dass der damals 74 jährige Ahmad auf die „Blacklist“ der USA kam. Er wurde immerhin die Nummer 56 der amerikanischen „Specially Designated Global Terrorists“ Liste.
Wer den humorvollen Ahmad kannte und ihn auf der englischen A-4 Seite nur wenige Zeilen hinter Osama Bin Laden und anderen unangenehmen Zeitgenossen fand, lachte sich über Georg Bushs verlogenen „Krieg gegen den Terror“ schief. Ahmad wurde wegen seines Mandates bei der in Lugano ansässigen Al-Taqwa Management auf die US-Terrorliste gesetzt. Auf den politischen Druck der Amerikaner hin drängte die damaligeSchweizer Justizministerin Ruth Metzler in vorauseilendem Gehorsam den damaligen Bundesanwalt Valentin Rohrschacher dazu, schweizweite Hausdurchsuchungen bei fast allen Verwaltungsräten dieser Management-Gesellschaft durchzuführen. Die schweizerische Bundespolizei führte deshalb auch eine Hausdurchsuchung bei Ahmad durch. Natürlich reichten die Amis unserer Regierung in Bern keinerlei Beweise ein, um die angeblichen Indizien gegen die verdächtigten und beschuldigten Personen zu belegen. Dies war aus amerikanischer Sicht ja auch nicht nötig, da der armen, durch die imperiale Intervention der USA verschreckten Ruth Metzler sofort das Herz in die Hose gefallen war und sie nicht wie gemäss Rechtshilfeabkommen üblich, weitere umfassendere Dokumente verlangte. Die ganze Geschichte führte für Prof. Mansur (Zürich) zu einem langwierigen, am Ende aber erfolgreichen Delisting- Verfahren. Ein solches Verfahren blieb Ahmad nicht mehr vergönnt, obschon formell nie irgendwelche Anklagen gegen ihn erhoben wurden und schliesslich die ganze Untersuchung gegen die Al-Taqwa Management eingestellt werden musste. Als unangenehme Folge der von der UNO unter US-Druck ausgeheckten und von der Schweiz willig vollzogenen Zwangsmassnahmen wurde Ahmads monatliche Altersrente zuerst mit einer Verfügungssperre belegt, danach aber für die Bestreitung des Lebensunterhalts wieder freigegeben, nachdem auch die Bundesanwaltschaft eingesehen hatte, dass Ahmad mit seiner bescheidenen Rente wohl kaum den „internationalen Terrorismus“ hätte mitfinanzieren können. Dass er dies auch nicht wollte, schien die Behörden nicht sonderlich zu interessieren. Im Jahre 2007 löste sich plötzlich die ganze Terror-Geschichte in Luft auf, als sich die schweizerische Bundesanwaltschaft nach sechs Jahren erfolgloser „Ermittlungen“ dazu bequemte, das haltlose Terror-Gesuch aus den USA endlich in den Mülleimer zu kippen. Es ist erfreulich, dass auch unsere Behörden lernfähig sind. Ausser Kosten und Spesen, für die der Steuerzahler aufzukommen hat, haben die Justizfehler von Frau Metzler natürlich nichts gebracht.
Als im Jahr 2005 sein Bruder Peter verstarb, machten Ahmad und seine Schwester eine Erbschaft. Das „Schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft“, das „Seco“, sperrte aber auch, die Ahmad von seinem verstorbenen Bruderherz zugeflossenen Batzen, weil er ja noch auf der unsäglichen, schweizerisches Verfassungsrecht verletzenden UNO-Liste stand. Ob wirklich eine reale Gefahr bestand, dass Ahmad mit seiner Erbschaft „nicht konforme“ Organisationen finanziell unterstützen würde, war nicht von Interesse. Der Witz an der ganzen Sache aber war, dass Ahmad dieses Erbe selbstverständlich versteuern musste, obwohl er nicht darüber verfügen durfte. Merkwürdig wie der Rechtsstaat hierzulande funktioniert.
Alle diese unglaublichen Geschehnisse haben wir dank Ahmad bei Avalon hautnah miterleben dürfen, und wir konnten auch diverse Blicke auf amtliche Dokumente werfen. Dies alles hat unser Vertrauen in den„Schweizer Rechtsstaat“ nicht besonders festigen können. Je nach Personenkreis läuft unser Justizsystem immer noch genau so wie im Mittelalter - mit Ausnahme der Vollstreckung von Todesurteilen am Galgen.
Nachdem Ahmad auf die so genannte „Specially Designated Global Terrorists“ Liste gekommen war,
vermied er es, ins Ausland zu reisen, da für ihn die Gefahr bestand, festgenommen und an die amerikanische „Justiz“ ausgeliefert zu werden. Ahmad erachtete es nicht als angenehme Perspektive in die Hände von Leuten zu geraten, welche offiziell die Folter praktizieren und sich nicht einmal schämen, dass sie zwingendes Völkerrecht verletzen.
Wenn man Ahmad irgendein „kriminelles“ Verhalten andichten möchte, dann höchstens in Bezug auf den Straßenverkehr. In diesem Bereich hatte er eine etwas orientalische Einstellung zu den Verkehrsregeln, besonders zu Sicherheitslinien und Tempolimiten. Betonen möchte ich auch, dass Ahmad über fünfzig Jahre unfallfrei gefahren ist, ein Umstand, auf den er grossen Wert legte und der ihn mit grossem Stolz erfüllte! Die Polizei erwischte Ahmad bei Tempoüberschreitungen auf der Autobahn und als er mit dem Auto eine Sicherheitslinie beim Wenden überführ - zwei kleine Sünden, die sich in tiefster Nacht ereignet hatten, als fast kein Verkehr herrschte.
Die Tempoüberschreitung war eine Wiederholungstat und Ahmad hatte keinen Fahrausweis mehr. Hinzu kam, dass Ahmad im Auto wiederholt nicht angegurtet war. Ahmad erklärte der Polizei sinngemäß, dass Allah der beste Sicherheitsgurt sei und dass - wenn Allah es wollte - er sterben würde, ohne dass dies ein Sicherheitsgurt verhindern könnte. Die Polizei liess sich von diesen religiösen Argumenten nicht beeindrucken. Da nach der Wiederholungstat eine neue Strafe ausgefällt und eine vorher bedingt ausgefällte Strafe widerrufen werden musste, kam es dazu, dass Ahmad eine neue Lebenserfahrung machen durfte. Er durfte während einigen Tagen den Gefängnisalltag hautnah erleben und lernte besonders die knusprigen „Gipfelis“ und den wohlduftenden Kaffee beim Gefängnis-Zmorge schätzen. Sehr schnell lernten die Gefängniswächter etwas über den Islam, Nahostpolitik, Zionismus und den Revisionismus. Die Gefängnisinsassen kugelten sich vor Lachen, als sie den Haftgrund erfuhren. Schließlich waren sie gestandene Autodiebe, Kleinkriminelle, Betrüger, Alimenteverweigerer oder kleine Drogendealer. Bisweilen leitete Ahmad als Imam im Gefängnis das Gebet von muslimischen Gefangenen (vor allem aus Bosnien und Albanien, sicherlich sehr zur Freude der Gefängnisleitung und der muslimischen Religionsangehörigen). Jedenfalls hatte Ahmad den langweiligen Gefängnisalltag gründlich vertrieben und ich bin sicher, dass der Gefängnisdirektor froh war, dass Ahmad nach nur wenigen Tage in die Freiheit entlassen werden konnte. Die feinen „Gipfelis“ und der gute Kaffee wie auch die interessanten Diskussionen mit den Gefängniswärtern hatte er immer sehr gemocht; alle waren so interessiert gewesen, von ihm über die Geschehnisse aus der weiten Welt informiert zu werden, vor allem von Dingen zu erfahren, welche in den politisch korrekten Medien gerne verschwiegen werden.
Trotz dieser Episode tauchte Ahmad ab und zu ohne Fahrausweis mit seinem etwas verbeulten VW-Golf am Avalon- Stammtisch auf. Vom Staat brechen ließ er sich nicht. Der Wagen war eine Wonne anzusehen mit seinem güldenen Rost und vor allem mit den vielen diversen politisch nicht korrekten Klebebildern. Das Auto entsprach in seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit genau seinem Besitzer.
In den letzten Jahren hatte Ahmad einige körperliche Gebrechen. Im Geiste war er immer jung und vielseitig interessiert geblieben und erschien wie ein Dreißigjähriger. Ahmad bereicherte unsere Gemeinschaft mit seinem sagenhaften Wissen in Geschichte, Philosophie, Religion, aber auch Politik und dem aktuellen Weltgeschehen. Von seinem intellektuellen Geist und Eifer profitierten vor allem unsere jüngeren Kameraden, die ihm immer mit größter Aufmerksamkeit zuhörten.

Unvorbereitet erhielten wir die unerwartete Nachricht, dass Ahmad Huber am Donnerstag, dem 15. Wonnenmond (Mai) am Nachmittag überraschend verstorben sei.
Am Dienstag, dem 20. Wonnenmond (Mai) 2008, wurde Ahmad am Nachmittag auf dem Friedhof Seidenberg in Muri bei Gümligen (Kanton Bern) in Anwesenheit seiner Familie, Bekannten, Freunden und einer Delegation der Avalon-Gemeinschaft beigesetzt.
Mit Wehmut blicken wir auf siebzehn erlebnisreiche Jahre zurück, in welchen wir Ahmad in seinem letzten Lebensabschnitt begleiten durften. War es bei ihm zuhause, bei Kaffee und Kuchen, am wöchentlichen Avalon- Stammtisch oder an diversen Avalon- Anlässen, wo er uns immer wieder als brillanter Erzähler begeisterte und wegen seiner Gutmütigkeit ein gern gesehener Freund war. Wir vermissen ihn sehr.
Ahmad hinterlässt eine Lücke bei seiner Familie und Avalon, die nicht zu füllen ist. Aber was sagte François Genoud zu Ahmad kurz bevor er 1996 starb? „Wenn ich sterbe, soll man nicht traurig sein. Das Leben geht ja weiter“. Wir denken, dies gilt auch für Ahmad. Er will sicherlich nicht, dass wir traurig sind. Er will, dass wir unsere Lebensaufgaben mutig anpacken und mit einer gehörigen Portion Humor auf unserem Lebensweg voranschreiten – immer der Wahrheit verpflichtet. Mit zwei Gedichten, die Ahmad sehr liebte, will ich den Nachruf schliessen:
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
(Rilke)
Wenn ich tot bin, sollt ihr gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Menschen euch begegnen
Und euch segnen.
(Ringelnatz)
Ahmad, Du bist von der Erde gegangen, aber in unserem Herzen geblieben!
Die Avalon-Gemeinschaft Kirchberg, den 20. August 2008
Zum Lesen über Ahmad Huber und über einige bekannte Persönlichkeiten empfehlen wir:
„Das Magazin“ Nr. 21-22, Allah und Hitler sind groß, Tages-Anzeiger Verlag, Zürich, Erschienen am 28. Mai 2004“
„Israelitisches Wochenblatt“ Nr. 29, „Unversöhnlicher Gast bei Radio DRS, Erschienen am 18. Juli 1986“
„Die Wehrmacht als Befreierin“, FZ-Verlag München, Erschienen 2000. In diesem Buch wird unter anderem die politische Rolle der späteren ägyptischen Präsidenten Anuar al-Sadat und Abdal Gamal Nasser während des II. Weltkrieges erklärt.“
„L’ Exrémiste, François Genud de Hitler à Carlos“, Pierre Péan, Edition Fayard, Erschienen 1996 »
„Le Banquier noir“ Gerd Laske, Edition Seuil, Erschienen 1996“